Drum prüfe, wer sich an einen Hund bindet, woher er stammt.

Seit vielen Jahren befasse ich mich mit Hundezucht, Aufzucht und Verkauf von Welpen und habe in dieser Zeit viele aufklärende Gespräche mit Kaufinteressenten geführt. Immer wieder stehe ich fassungslos vor der Tatsache, dass noch heute die Meinung vorherrscht: "Mit einem Rassehund kaufe ich einen guten und gesunden Hund"!

 

Nein, das ist leider nicht so, mit einem Rassehund kauft man zwar einen "rassetypischen" Hund, d.h. einen Hund, der jene äußeren und inneren Merkmale seiner Rasse gemäß einem Rassestandart aufweist, aber ob er diese genetischen Veranlagungen auch ausbildet und zum Vorschein bringt, dafür ist ganz entscheidend der Züchter verantwortlich.  

Jeder Welpe ist seiner Wesensveranlagung nach ein Produkt von Vererbung und Umwelteinflüssen. Die Bedingungen unter denen ein Hundewelpe die ersten Wochen seines Lebens verbringt, stellen die Weichen für sein weiteres Leben.

 

Und hier kann man sehr wohl von irreversiblen Schäden sprechen, wenn die Frühprägungsphasen nicht sorgfältig in die richtigen Bahnen gelenkt wurden.

Seriöse Züchter züchten nicht ins Blaue hinein, sie sind keine Hundevermehrer, bei denen es nur auf Quantität, nicht auf Qualität ankommt. Sie suchen ihre Zuchthunde mit großer Sorgfalt aus, vergleichen Blutlinien und scheuen selbst vor weiten Reisen nicht zurück, um für ihre Hundedame den passenden Partner zu finden.

 

Für den zukünftigen Hundenachwuchs wird ein Optimum an Sorgfalt aufgewendet, um sicher zu stellen, dass bei der Verpaarung erstklassige Anlagen vorhanden sind. Erst danach, in der Zuchtstätte, verwandeln sich jedoch diese Veranlagungen der Welpen in die Verhaltensmerkmale, die man sich von dieser Rasse wünscht.

Bei einem seriösen Züchter gibt es keine Massenzucht und keine Zucht ohnen Rücksicht auf Verluste. Zucht bedeutet einen hohen persönlichen Einsatz, das kann man nicht `mit links´ machen. Wenn man Welpen aufzieht, ist das ein Ganztagsjob mit höchsten Anforderungen an Wissen, Einsatzfreude und Aufopferungsfähigkeit.

 

Das kann nur ein Züchter gewährleisten, der seine eigenen Interessen für die Zeit der Welpenaufzucht zurückstellt und sich ausschließlich seinen vierbeinigen Gefährten widmet.

 

Vor diesem Hintergrund muß auch der Kaufpreis gesehen werden. Wer zehn, zwanzig oder sogar dreißig Zuchthündinnen hält und diese in einen Zwinger fern ab vom Haus und der Familie einsperrt, kann zum einzelnen Tier und dessen Welpen keinen Bezug mehr aufbauen.

 

Diese Welpen erhalten nicht die nötigen Sozialkontakte zu Menschen und Artgenossen und bleiben oft ein Leben lang scheu und unsicher.

 

Zwingeranlagen zu reinigen und die Tiere medizinisch zu betreuen reicht nicht aus, um ein Hundezüchter zu sein. In meinen Augen ist das Nutztierzucht und keine züchterische Leistung, sondern eben Hundevermehrung.

 

Der Kaufpreis ist entsprechend niedrig, liegt meist deutlich unter dem rasseüblichen Welpenpreis. Ein "Schnäppchen" fast, verglichen mit seriösen Welpenvermittlern.

 

Einem Hundevermehrer ist es aber gleichgültig, welche charakterlichen Eigenschaften die Tiere haben, von denen er Nachwuchs züchtet. Sie können ängstlich oder hysterisch sein, sie können die verschiedensten Standardfehler haben, egal, Hauptsache es klappt mit den Jungen. 

Rassehundekauf sollte jedoch Vertrauenssache sein, sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer eines Welpen. Man will ja schließlich viele Jahre glücklich mit seinem neuen Freund zusammenleben und nicht schon nach wenigen Tagen oder Wochen einen ebenso schmerzlichen wie teueren Mißgriff beklagen müssen.

 

Deswegen! Rassehund ist nicht gleich Rassehund!

 

Wer sich für einen Rassehund interessiert, sollte nicht die Mühe scheuen und eine Fahrt zu einem Züchter auf sich nehmen, auch wenn dieser nicht sofort einen Welpen zu verkaufen hat. Dann muß man eben bereit sein zu warten.

 

Einen Hund kauft man mit Herz und Verstand und mit viel Geduld!

 

 

 

von Karin Jetter